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Zurück nach Berlin

Es ist früh morgens, ich sitze in einem dieser fußraumarmen Ruhesessel eines Nachtzuges und fahre gerade durch Lichterfelde Süd in den Großstadtdschungel ein. Am Fenster draußen zieht eine Kleingartenanlage vorbei, die Fenster einiger Datschen darin sind beleuchtet. Jetzt wieder ein Bahnsteig. Vereinzelt warten dort schon Berufspendler. Sowohl der Gedanke, dass sich hinter den beleuchteten Fenstern tatsächlich Menschen verbergen als auch die Tatsache, dass einige von ihnen schon ihre tägliche Reise zum Gebet in den Tempeln der Lohnarbeit angetreten haben kommen mir sehr unwirklich vor, aus meiner Perspektive ist der Großstadtdschungel viel mehr ein Miniatur-Wunderland.
Einen Teil dieser Unwirklichkeit erkläre ich mir mit meiner kurzfristigen Entscheidung, zurück nach Berlin zu fahren: Am vergangenen Montagabend habe ich einen Anruf bekommen, dass ich ab Freitag ein Praktikum antreten könne, dann sofort eine Wohnung organisiert, den Nachtzug gebucht, mich am Dienstag noch von Freund*innen verabschiedet, nebenbei gegen die Nazis in Karlsruhe demonstriert, am Mittwoch mein Leben in einen Koffer und einen Rucksack gepackt und heute, am Donnerstagmorgen bin ich auch schon in Berlin angekommen. Hier werde ich in den nächsten drei Monaten parallel an drei Projekten arbeiten, von denen zweien sogar noch die Auftaktkampagne bevorsteht. Was danach passiert, ist bisher noch ein Entwurf in meinem E-Mail-Postfach.

Es ist 07:19, ein bisschen zu warm für diese Jahreszeit und die Sonne entflieht gerade dem schmutzigen Horizont. Ich steige aus dem Zug und bin wieder zurück.