Interpretationssache

Das tolle an Interpretationen ist, dass ihr Inhalt Interpretationssache ist. Keiner kann einem vorschreiben, ob man es nun richtig interpretiert hat oder nicht. Desweiteren sind Interpretationen älterer Werke ggfs. auch von politischen Gegebenheiten der Zeit, in der sie interpretiert wurden, abhängig. Ganz zu Schweigen von persönlichen Erfahrungen der interpretierenden Person und deren eigenen Ansichten. Ergo ist es an Absurdität kaum zu Überbieten, Interpretationen bewerten lassen zu müssen von <abbr="Lehrer">Menschen, die im Idealfall selbst eine Meinung haben, die sich von der eigenen Unterscheiden kann. Im Folgenden habe ich, um trotz der Bedeutungslosigkeit meiner Meinung für die Bildungspolitik Baden-Württembergs meine Meinung kundzutun, einen allseits bekannten Gedichttext überinterpretiert. Wertet es als stillen Protest oder so. Ist sowieso Interpretationssache, als was das zu bezeichnen ist.

Interpretation: Eduard Mörike – Er ist's

Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

– Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist's!

Dich hab ich vernommen!

Im Gedicht "Er ist's" beschreibt Eduard Mörike auf schockierende Art und Weise, wie die Völker des 21. Jahrhunderts sich gegen den Despotismus von Religion und Polizeistaat zu wehren versuchen.

Im ersten Vers zeigt der Autor auf, dass er sich in seinem Gedicht auf Demonstrationen in Mittelmeeranrainerstaaten anfangs der 2. Dekade des 21. Jahrhunderts (≥2010) beziehen wird, was er einerseits offensichtlich unoffensichtlich mit dem Wort »Frühling«, das sich zweifellos auf den Arabischen Frühling bezieht, und einem »blauen Band«, das eine Metapher für die Flagge Griechenlands ist, deutlich macht.

Im zweiten Vers schreibt er, dass die Flagge Griechenlands, das »blaue Band«, wieder durch die Lüfte flattere, was eine Allusion auf die Euro-Schuldenkrise ist, deren Folge eine strikte Sparpolitik Griechenlands war um finanzille Hilfsmittel zugeteilt zu bekommen, die die Menschen jedoch zu wütenden Demonstrationen auf die Straße zwang.

Der dritte Vers bezieht sich mit erschreckender Erkenntnis auf den Einsatz von Tränengas, das im Krieg zwar verboten, für den Einsatz gegen Zivilisten im Inneren jedoch verwendet wird. Der Euphemismus »süße, wohlbekannten Düfte« zeugt von der, offensichtlich durch häufigen Einsatz hervorgerufenen, Gewöhnung der Demonstranten an den häufigen Einsatz von Tränengas.

Im vierten Vers manifestiert der Autor das Revolutionspotential der Massendemonstrationen indem er ihre geografische Verteilung und Verbreitung im Mittelmeerraum mit der Litotes des Streifens durch das Land verdeutlicht. Das Wort »ahnungsvoll« soll den Leser auf die stille Revolution in den Köpfen der Menschen aufmerksam machen, die schon stattgefunden hat.

Der fünfte und sechste Vers gleicht in seiner Untertreibung gar einem Vulgarismus, denn er beschreibt die Gewaltbereitschaft der Polizei und des Militärs auf perverse Art und Weise mit der Metapher der "schon träumenden Veilchen", wobei die Veilchen unmissverständlich auf ein Hämatom am Auge hinweisen; einer Metapher für allgemeine Gewaltbereitschaft. Ihr Traumzustand ist ein Symbol für einen, während der stillen Revolution in den Köpfen langsam erwachsenen, latenten Willen zur Gewalt, heraufbeschworen durch Frustration über einen zu niedrigen Sold, der wiederrum auf die Schuldenkrise zurückzuführen ist.

Die Aussage, dass der offene Konflikt zwischen der militant hochgerüsteten Exekutive und den Demonstranten bald »kommen wolle« (sechster Vers), ist eindeutig eine Doppelmetapher, die auch auf exorbitanten Geschlechtsverkehr als Ventil für die noch gezügelte, schlafende Gewalt in den Söldnern des Staates und das daraus resultierende Leiden ihrer Partner hinweist.

Ist es ein Zufall, dass sich solch hochbrisante Aussagen ausgerechnet im 6. Vers finden und dass, wenn man die Anzahl der darin befindlichen Wörter (3) nimmt, und die Verszahl sooft aneinanderreiht, daraus 666, die Zahl des Antichristen, resultiert?
Sicher nicht! Mörike kritisiert die zunehmende Gottlosigkeit der Gesellschaft dieser Zeit und warnt gleichzeitig die Revolutionäre des Arabischen Frühlings vor religiösen Strömungen, die nach dem Umsturz der Machthaber einen Gottesstaat anstreben.

Vers 7 wiederspricht vollkommen dem bisherigen Versbau: er fordert scheinbar harmlos den Leser auf, einem »fernen Harfenton« zu lauschen. Doch bei genauerem Betrachten wird klar, dass dies wiederrum eine Metapher für die bigotten deeskalative Maßnahmen der Polizei ist, die in Wirklichkeit nach dem Blut der Demonstranten dürstet, der »Harfenton« ist zugleich ein Symbol für die gewollte Wirkungslosigkeit derer.

Nun eskaliert die Lage: im 8. und 9. Vers werden sich die arabischsprachigen Demonstranten als auch die Regierungsorgane der Revolutionssituation (»Frühling«) bewusst. Es wird Ihnen klar, wie lange sie sich diese schon ersehnen und der Leser kann nur ahnen, mit welch unerbittlicher Härte Regierungen ihr Volk abzuschlachten bereit sind.

Ein erschreckender, revolutionärer Weckruf von einem zweifellos hellseherischen Künstler.